Kanadas wilder Westen

Kanada gliedert sich im Westen in die Provinzen British Columbia, welche am Pazifischen Ozean liegt, in Alberta, durch die ein Großteil der Nationalparkrouten führt und im Norden in den Yukon und den Northwest Terrotories, die bis in die Arktis und ans Eismeer führen.

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Während in fast allen Teilen Kanadas bis Mai noch Schnee und Eis liegt, kann man bereits im März auf Vancouver Island den kanadischen Frühling erleben. Sonnige Temperaturen von bis zu 17 Grad Celsius erwärmen den Boden und die ersten Knospen an Büschen und Bäumen sprießen bereits. Aufgrund des milden Klimas im Südwesten von Kanada tummeln sich bereits die Touristen am Pazifischen Ozean. Eine kleine Expedition durch die Regenwälder lässt uns in die romantische Einsamkeit Vancouver Islands entfliehen.

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Im Sommer kann es aber auch ziemlich warm werden und wir schwitzen im Juni und Juli bei ca. 35 Grad Celsius. Beeindruckend ist die schnelle Schnee- und Eisschmelze. Innerhalb von zwei Wochen sind die restlichen meter hohen Schneeberge einfach verschwunden. Während die Seen noch langsam auftauen und das Eis „singt“, schwitzen wir nach dem langen Winter bereits bei 20 Grad Celsius.

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Unsere besten Routen?

Eine der traumhaftesten Routen ist der Sea to Sky Highway 99 ab Vancouver gen Norden, der im folgenden Verlauf auf den Cariboo Highway 97 trifft. Dieser führt weiter hinauf bis Prince George. Grandiose Bergmassive werden durchquert. Umso nördlicher wir kommen, desto ursprünglicher wird es.

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Eine weitere atemberaubende Strecke ist der Dempster Highway. Hierzu haben wir hier einen eigenständigen Bericht geschrieben.

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Natürlich sind auch die Nationalparkrouten, wie zum Beispiel der Icefields Parkway (Highway 93), der zwischen Jasper und Banff verläuft, ein Erlebnis. Das Columbia Icefield, ein großer begehbarer Gletscher, zeigt wie enorm die Rocky Mountains sind. Türkisblaue Seen und dahinter majestätische Berge lassen uns in Ehrfurcht vor der Natur verharren.

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Der Alaska Highway von Dawson Creek bis Alaska, führt auch durch den Yukon. Einsamkeit, Ruhe und Natur pur zeichnen diese Provinz aus. Im April und Mai ist von den Touristen noch nicht viel zu sehen und wir fahren teilweise hundert Kilometer ohne einer Menschenseele zu begegnen. Leider gab es in den letzten Jahren sehr viele Waldbrände. Gefühlt fast die gesamte Strecke entlang sind die Überreste der Feuer, ausgelöst durch Blitze oder Unachtsamkeit, zu sehen. Aber die Natur erholt sich und wir sehen viele Bisons, Rentiere, Elche, Erdmännchen und Adler auf dem Weg. Auch die Schwarzbären sind schon wach und tummeln sich am Straßenrand, denn sie haben Hunger nach dem langen Winterschlaf. Einer war besonders gierig und hing oben in der Baumkrone, um sich die Knospen schmecken zu lassen.

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Die Kanadier,

ein Volk für das wir größte Sympathie entwickelt haben. Sieben Monate in Kanada und viele Gespräche haben uns Einblicke in die Wesens- und Lebensart der Menschen dort gegeben. Überall erleben wir nur freundliche und hilfsbereite Menschen. Egal welcher ursprünglichen Herkunft sie sind, alle haben Respekt und viel Toleranz anderen gegenüber. Wir wurden oft nach Hause eingeladen und uns blieb kaum eine Tür verschlossen. Kanadier sind stets für einen kleinen Plausch zu haben und strahlen unheimlich viel Geduld und Interesse aus.

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Was haben wir erlebt?

Wir konnten im Tiefschnee SnowMobil fahren und sind doch tatsächlich bis zur Hüfte versumpft. Mit vereinten Kräften konnten wir uns und auch das Schneemobil befreien und die wilde Fahrt weiter genießen.

Ein echter kanadischer Buschpilot hat uns zu einem Rundflug über die Northern Rockies eingeladen. Kanada von oben zu sehen ist ein grandioses Erlebnis und wir werden dies nie vergessen, sowie auch die Turbulenzen, die die kleine Maschine so richtig durchrüttelten.

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In Watson Lake haben wir den Schilderwald besucht und in Dawson City hat Benny sich der Mutprobe gestellt und den legendären SourToe-Cocktail getrunken. Ein echter menschlicher Zeh wird in einen Schnaps deiner Wahl gegeben. Wer den Zeh verschluckt wird ordentlich zur Kasse gebeten. Hier geht es zum SourToe Cocktail Video.

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Freunde, bei denen wir auf der Farm stehen durften, haben uns auf eine Kuhauktion mitgenommen. Wir wurden Zeuge wie die Jungs und Mädels ihre eigens von Hand aufgezogenen Stiere, Schweine und Schafe stolz präsentieren und an den meist bietenden verkaufen.

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Auch Jago hat seinen Spaß und erkundet Kanada auf vielen Spaziergängen. Er schließt viele Freundschaften und kennt mittlerweile die kanadische Tierwelt. Leider erregte auch ein toter Rehschädel seine Aufmerksamkeit, den er uns als Geschenk aus dem Wald mitgebracht hat.

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Mit dem Quad quer durch den Busch zu brausen und ein paar Rehe aufzuscheuchen, macht ebenfalls viel Spaß. Aber leider lassen dich die Moskitos auch tagsüber nicht in Frieden.

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Wenn nachts die Wölfe und Kojoten in unmittelbarer Nähe heulen, und die Bären deinen Grill vom Vorabend nach Essensresten untersuchen, dann weißt du: Du bist in Kanadas wildem Westen!

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The Dempster Highway

Der Dempster Highway in Kanada ist eine atemberaubende Strecke. In diesem Video siehst du einen kleinen Zusammenschnitt unseres Trips nach Inuvik. Einen detaillierten Bericht über unseren Roadtrip findest du hier.

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Und jetzt: Komm mit uns auf den Dempster Highway…

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Dempster Highway

Dempster Highway – Fluch oder Segen?

Eine der schönsten Strecken in Kanada ist der Dempster Highway (auch bekannt als: Yukon Highway 5 / Northwest Territories Highway 8). Aber was ist so faszinierend an den knapp 730 Kilometern Schotterpiste?

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Einsame Weite und die wunderbare Tundra belohnen jeden Naturliebhaber. Zwischen Bergen, Gletschern und Wäldern tummeln sich Polarfuchs, Grizzlybär, Eisbär und Co. Auf Wiesen, Flüssen und Seen zeigt die Vogelwelt ihre schönsten Polarvögel. Auch die Rentiere sind hier zuhause. Kanada zeigt all seine Facetten auf diesem kurzen Stückchen Erde.

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In den Sommermonaten wird es kaum dunkel, eigentlich gar nicht. Im Winter wird es nicht richtig hell. Grandiose Naturschauspiele ziehen dich in ihren Bann und die vielen Kilometer sind eine willkommene Abwechslung, der sonst so langen Strecken in Kanada.

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Der Dempster Highway endet nach knapp 730 km in der Stadt Inuvik. Von hier führt der Mackenzie Valley Highway durch das Mackenzie Delta bis zur nördlichsten Stadt Tuktoyaktuk. Im Sommer 2017 wurde die neue Straße für alle geöffnet. Die komplette Strecke bis nach „Tuk“ (von den Einheimischen genannt) beträgt 890 km.

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Beste Reisezeit?

Die beste Reisezeit gibt es nicht, denn

  • im Frühling (wir fuhren April/Mai) erwarten dich extreme Veränderungen in den Jahreszeiten (mehr dazu unten),
  • im Sommer (Juli-August) faszinieren die großen Blumenblüten,
  • im Herbst schimmern die Wälder in allen Farben
  • im Winter erlebt man Eis und Schnee der Extreme.

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Streckenzustand, 4WD oder 2WD?

Die Strecke an sich ist in einem überraschend guten Zustand, mit verhältnismäßig wenigen Schlaglöchern. Normalerweise kann auch jedes normale Auto oder Camper den Dempster Highway fahren. Allerdings muss man sich auf überraschende Veränderungen einstellen. Die einsetzende Schneeschmelze oder Regenschauer können die Erd-/Schotterpiste in eine Matschpiste verwandeln. Das hochglanzpolierte Fahrzeug kommt nach der Schlammschlacht keinesfalls sauber zurück (siehe unten: Unimog vorher und nachher). Allrad kann zu bestimmten Jahreszeiten, oder nach Regenschauern, von Vorteil sein.

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Streckenverlauf:

Am Beginn des Dempster Highways ist ein Parkplatz. Hier kann, wer möchte und kann, den Reifenluftdruck ablassen und letzte Vorbereitungen am Fahrzeug treffen. Zum Schutz unserer Windschutzscheibe vor Steinschlägen haben wir eine Plexiglasscheibe davor angebracht.

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Die ersten Kilometer verlaufen durch ein schönes Waldstück, der Frühling zeigt sich. Die ersten Knospen sprießen an den Büschen und Bäumen, die Sonne wärmt durch die Windschutzscheibe und es ist T-Shirt angesagt. Rechts und links der Strecke beginnen die ersten Berge und geben einen ersten Eindruck. Nach circa 70 km geht es hinauf in den Tombstone Park, Schneereste auf der Straße lassen den Winter erahnen. Oben angekommen stockt uns der Atem. Die vor uns liegende arktische Landschaft gleicht einer verschneiten Mondlandschaft. Es folgen 300 km bis Eagle Plains. Auf der Bergkette entlang fährt man in den Polarkreis (Arctic Cicle) ein. Rechts und links lassen sich gegensetzige Wetterschauspiele beobachten. Nach kurzer Zeit geht es vom Yukon in die North West Terretories über. Nach den letzten Bergmassiven wird es flacher und die letzten rund 330/480 km, in dessen Verlauf auch zwei Flüsse überquert werden müssen, bis Inuvik/Tuktoyaktuk sind wieder von Wälder, Flüssen und Seen durchzogen.

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Flussüberquerung: Fähre oder Eis?

Zwei Flüsse müssen überquert werden, von Süden kommend zuerst der Peel River und knapp 70 Kilometer später der Mackenzie River. Im Sommer (Juni-Oktober) ist dies ganz einfach mit der Fähre möglich. Im Winter (November/Dezember-April/Mai) wird aus dem Fluss eine Eisbrücke, das sogenannte IceCrossing. Ende April/Anfang Mai schließt das IceCrossing. Schafft man es nicht mehr vom Norden zurück, sitzt man für einige Wochen zwischen Inuvik, Mackenzie River und Peel River fest.

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Stellplätze, Wasserversorgung und WCs:

Am kompletten Highway gibt es rechts und links neben der Piste kleinere und größere Einbuchtungen, die hervorragend zum Übernachten geeignet sind. Auch Campgrounds und Picknickplätze finden sich entlang des Dempster Highways.

Auf der ganzen Strecke befinden sich immer wieder Parkpläze mit Müllentsorgungsmöglichkeiten und WC-Häuschen.

Nach dem Teilstück Eagle Plains/NWT (Northwest Territories) gibt es am Bergausläufer eine Servicestation die auch Trinkwasser bereitstellt. Es wird mittels Schild darauf hingewiesen.

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Tankmöglichkeiten:

Zu Beginn des Dempsters befindet sich noch eine Tankstelle oder im circa 40 km entfernten Dawson City. Auf der Strecke gibt es nach 370 km ein Motel mit Restaurant, RV Park und Tankmöglichkeit in Eagle Plains. Hier sollte man sich schlau machen bezüglicher Streckensperrungen (siehe unten). Nach dem Peel River ist der kleine Ort Fort McPhearson, der ebenfalls zwei Tankstellen hat. Weitere Tankstellen gibt es wieder in Inuvik.

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Streckensperrungen:

Ab Eagle Plains kann der folgende Streckenverlauf von rund 180 km bis Fort McPhearson gesperrt werden. Die Strecke führt über ein großes Bergmassiv. Dort beginnt der Polarkeis! Extreme Schneestürme und Wetterschwankungen können eintreffen.

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Die Strecke kann auch während der Durchfahrt gesperrt werden, was uns passierte:

Die geöffnete Schranke in Eagle Plains und bestes Wetter verleiten uns weiter zu fahren und später zu halten. Am Polarkreis angekommen, machten wir eine kurze Mittagspause. Die Aussicht war fantastisch. Die Arktis leuchtete strahlend weiß. Allerdings wurde es ziemlich windig, so sehr, dass es unsere Plexiglasscheibe zerriss. Wir fuhren weiter, als der Wind sich noch verstärkte und Schnee fiel. Auf einmal schwand unsere Sicht auf 1 Meter. Die Straße war nur noch zu erahnen. Stehenbleiben war keine Option. Am Übertritt in die Northwest Territories versuchten wir anzuhalten. Aber als der Wind unseren 7,5 Tonnen schweren Unimog zur Seite schob und es fast unsere Spiegel abriss, mussten wir irgendwie weiter. Nach einer gefühlten Ewigkeit nahmen Wind und Schneetreiben ab. Die Sicht stieg auf 10 Meter, dann 50 Meter und dann endlich 100 Meter. Der Schnee traf immer noch im 90 Grad Winkel auf uns, aber die Straße war wieder ersichtlich. Auf einmal standen wir vor einer Straßensperrung. Die geschlossene Schranke vor uns signalisierte „Road Closed“. Na toll, da wurde doch glatt die Strecke gesperrt, während wir die Aussicht genossen und der Schneesturm aufzog. Vor Ironie lachend und dankbar, dass sich die Schranke von uns öffnen ließ, fuhren wir durch die Straßensperrung. Was für ein Abenteuer! Übrigens ist die Strecke ohne Schneesturm ein absoluter Traum!

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Der Dempster Highway ist für uns eine der schönsten Routen in Kanada. Er ist gleichzeitig Abenteuer und ein Fest für die Sinne!

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SourToe Cocktail

Ab und zu muss man auf einer Weltreise auch mal etwas Verrücktes tun. Also hat Benny den weltberühmten SourToe Cocktail getrunken!

Was ist der SourToe Cocktail? Es ist ein abgestorbener, menschlicher Zeh der mit einem hochprozentigem Schnaps getrunken wird. Man darf den Zeh nicht schlucken, muss ihn allerdings mit seinen Lippen berühren.

Diese verrückte Tradition wird in Dawson City (Kanada), der bekannten Goldsucherstadt, gepflegt. Benny wurde in den SourToe Cocktail Club aufgenommen und ist Mitglied Nr. 77.379.

 

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Kanada – Eine Eisreise

Im Dezember 2017 verschiffen wir unseren Unimog nach Kanada (Verschiffung Nordamerika). Ziemlich verrückt, bekommen wir oft zu hören. Und tatsächlich wird es eine mehr oder weniger abenteuerliche Reise. Unvorhersehbare Begebenheiten begleiten uns über Wochen, aber zwischendurch päppeln uns die unheimlich gastfreundschaftlichen Kanadier immer wieder auf und sorgen für unser leibliches Wohl.

Aber lest selbst, den ersten Teil unserer Winterexpedition in Kanada:

Am 12.01.2018 nehmen wir ihn in Halifax unseren Unimog in Empfang. Angekommen bei sonnigen 12 Grad Celsius freuen wir uns über den milden kanadischen Winter. Unsere Winterfreude hält genau 2 Tage an, denn dann fällt der erste Schnee und die Temperaturen stürzen in den Minusbereich. Von da an folgen tausende Kilometer Eis und Schnee.

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Was ist auf den Kilometern so passiert?

Kaum in Halifax, das in Nova Scotia liegt, gestartet, stellen wir unweigerlich fest, dass unsere pakistanische LKW-Batterie deutlich nicht für den nordamerikanischen Winter gemacht ist. In Antigonish, eine übrigens sehr hübsche Kleinstadt, bekommt der Unimog eine neue Batterie, die den Minustemperaturen standhält. Die Provinz Nova Scotia ist unheimlich reizvoll. Das Ganze Land ist mit Seen und Flüssen durchzogen, die im Winter zugefroren im Sonnenlicht schimmern und glitzern.

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Der Highway 2 führt durch die Provinz New Brunswick. In Grand Falls zeigt das Thermometer morgens um 11 Uhr -10 Grad Celsius und der Unimog springt das erste Mal sehr mühsam an. Der massive Stahl speichert die Kälte der vergangenen Nacht, so dass die ersten Sonnenstrahlen ihn nicht gerade in Taustimmung versetzen. Das Bremsventil ist eingefroren, was uns auf unserer Reise noch lange begleiten wird. Nach einer halben Stunde bringt Benny den Unimog wieder fahrtauglich und es geht vom Highway 2 auf den Highway 20 in die Provinz Quebec.

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In der Nähe von Drummondville entdecken wir einen wunderschönen Park. Wir richten uns für ein paar Tage ein, um die vorhergesagten -20 Grad Celsius auszusitzen. Ein Meter Neuschnee fällt, aber Dank unseres Stromgenerators haben wir Strom satt und müssen nicht frieren. Überredungskünste werden benötigt um nicht nur Benny zum Spaziergang zu bewegen, sondern auch Jago zeigt deutlich sein Missfallen an der Kälte. Sein neues Lieblingsplätzchen vor der Heizung gefällt ihm deutlich besser. Da kommt auf einmal der Australier in ihm durch. Nach langer Motivation raffen wir uns alle auf. Beim Parkrundgang hören wir das Knacken und Ächzen der Bäume unter dem Eis und der Schneelast. Schnell lockern wir die vielen Lagen der Kleidung, denn das Stapfen durch Tiefschnee, bringt den Körper trotz der Eiseskälte zum Schwitzen. Die heimischen Vögel werden aufgrund ihrer Futtersuche zutraulicher und setzen zur Landung direkt auf unseren Köpfen und Händen an.

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Die Temperaturen steigen nach ein paar Tage wieder auf -9 Grad Celsius und wir nutzen die Chance den Unimog zu starten. Unser Wasservorrat wird knapp, wir müssen wieder los. Über Quebec City, eine Stadt, die uns an eine Industriestadt erinnert, vorbei an Montreal, wieder ins bilinguale Ottawa. Die Provinzen Nova Scotia, New Brunswick und Ontario haben zweisprachige Straßenschilder: Englisch und Französisch. Während die Provinz Quebec sich nur mit der französischen Sprache beschäftigt. Das Einkaufen und die Verständigung werden für uns mit unserem eingestaubten Schulfranzösisch etwas schwieriger.

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Das berühmte Schild „CLOSED FOR SEASON“ springt uns überall auf dem Weg von Ost nach West ins Gesicht. Wunderbar, denn wir können direkt vor den Provincial Parks usw. übernachten und wunderbare Touren zu Fuß durch die Parks unternehmen. Allerdings macht dies auch die Frischwassersuche für uns problematischer. Die meisten Dumpingstations (Entsorgungsstationen für Abwasser und Versorgung mit Frischwasser) sind abgestellt, geschlossen oder eingefroren, sowie auch fast alle öffentlichen Frischwasseranschlüsse abgestellt sind. Wer offene Campingplätze sucht, wird enttäuscht, oder auch diese haben die Wasseranschlüsse über den Winter außer Betrieb gesetzt. Die Wassersuche führt uns zu einer Tankstelle auf dem Highway 17 zwischen Ottawa und Sudbury. Auch hier kommen wir wieder, wie überall, mit einem sehr freundlichen Kanadier ins Gespräch, der uns kurzerhand auf die Farm seiner Eltern einlädt. Spontan folgen wir ihm und verbringen super schöne Tage mit ihm und seiner Familie. Brenda ist eine begnadete Köchin. Vielen lieben Dank an euch für eure Gastfreundschaft und Bewirtung.

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Die nächste Wettervorhersage lässt uns erzittern. Es sind -30 Grad auf unabsehbare Zeit vorhergesagt. Was tun? Mittlerweile ist auch der Abwassertank, trotz Frostschutzzusatz, zugefroren. Wir entscheiden uns, den Unimog das erste Mal auf der Reise durchlaufen zu lassen und Strecke zu machen. Es folgen 3500 km auf dem Trans Canada Highway 1 bis nach Calgary. Die Route führt durch die Provinzen Ontario, Manitoba, Saskatchewan und Alberta. Schneesturm, Eisregen und spiegelglatte Fahrbahnen bringen die Schwachstellen der großen Stollenreifen zu Tage. Die täglichen (Anlauf-)Probleme beginnen sich zu häufen. Bei der morgendlichen Katzenwäsche streikt die Frischwasserpumpe: Eingefroren! Kreativität ist gefordert. Der tief im Schrank verstaute Fön wird rausgekramt und erfüllt mit Hilfe des Stromgenerators seinen Zweck. In der folgenden Nacht macht unsere Dieselheizung komische Geräusche. Die Lager sind wohl sehr kalt, also lassen wir die Heizung auf kleinster Stufe nun auch durchlaufen. Am nächsten Tag fallen die Funktionslampe und die Kühlwassertemperaturanzeige im Cockpit aus. Noch ein Tag später streikt auch die Öldruckanzeige. Im Laufe des Tages bricht uns ein Befestigungskit unserer Dachhaube beim Öffnen weg. Wir brauchen Ersatzteile!

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Zwischen LKWs finden sich immer wieder Schlafplätze. Der eigene Geräuschpegel des Motors lässt die lauten Motoren der kanadischen Trucks verschwinden und wir finden einigermaßen Ruhe zum Schlafen in diesen Tagen. Auf geht’s zur letzten großen Etappe in Richtung Calgary. Wir fahren aus der Parkbucht raus auf den Highway, als die Schaltung einfriert. Wir verlieren unsere komplette Druckluft innerhalb von Sekunden und bleiben liegen. Kein Geschenk bei einspuriger Fahrbahn, meterhohen Schneebergen auf den Seitenstreifen und den von hinten anbrausenden Fahrzeugen. Die eiskalten Winde von – 40 Grad Celsius in der vergangenen Nacht haben dem Unimog zugesetzt. Alles ist eingeeist. Nach Minuten schafft es Benny einen Gang einzulegen und im Kriechtempo rollen wir zurück auf den Parkplatz. Der Truckerfahrer Harry kommt uns entgegen und bietet seine Hilfe an. Eine Problemanalyse und Fehlersuche zu zweit verschafft neuen Mut. Nebenbei weiht Harry Benny in die kanadischen Truckergeheimnisse für Winterbetrieb ein. Nach 2 langen Stunden Fahrzeugenteisung mit Alkohol und Gasbuddy (ein Gasheizstrahler) und einer Menge Geduld werden die von Kälte taub gewordenen Gliedmaßen vor der Heizung aufgewärmt. Heißer Kaffee, der von innen wärmt, wird getrunken und der Unimog rollt mit uns wieder auf den Highway.

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Hinter Calgary ist es geschafft, die Temperaturen klettern wieder auf frühlingshafte -15 Grad Celsius. Ab hier schalten wir einen Gang runter und beginnen wieder die Reise zu genießen! Die vor uns liegenden Rocky Mountains ziehen uns in ihren Bann.

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Ein Ausflug zum Johnston Canyon beeindruckt uns sehr. Eiskletterer versuchen dort die meterhohen, zugefrorenen Wasserfälle zu erklimmen. Über Kamloops und Hope tuckern wir ins schnee- und eisfreie Vancouver und sind erstaunt über die enorm hohe chinesische Population der Stadt. Die Sommerlaune von 15 Grad Celsius kommt über uns und wir beschließen nach Vancouver Island überzusetzen, um uns etwas aufzuwärmen, bevor uns unsere Expedition wieder in den Norden Kanadas führt.

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365 Tage „On The Road“

365 Days On The RoadHeute vor einem Jahr haben wir uns aufgemacht, die Welt zu erkunden und wenn möglich zu umrunden. Heute, genau ein Jahr später, stehen wir in Kanada auf Vancouver Island und genießen den beginnenden Frühling. Viel ist passiert und wir haben viel erlebt.

Als Dankeschön haben wir für euch ein kleines Video erstellt.

Vielen lieben Dank, dass ihr uns schon so weit begleitet habt! Wir freuen uns darauf, weitere spannende Erlebnisse mit euch zu teilen.

Auf geht’s in das zweite Jahr…

 

 

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Jago fliegt nach Kanada

Jago Kanada

Stellt euch vor, ich bin das erste Mal in meinem Leben mit einem Flugzeug geflogen. Es war eigentlich ganz gut, aber dann ist etwas Schlimmes passiert. Das muss ich euch erzählen:

Frauchen bereitete alles vor und buchte meinen, ihren und Herrchens Flug. Am Morgen des Fluges brachte Frauchens Papa uns zum Flughafen in Frankfurt am Main. „Man, ist das ein großer Flughafen!“ staunte ich. So viele Menschen eilten an uns vorbei.

Zum Glück durfte ich in meiner geliebten Transportbox bleiben und nickerte ein wenig bis es endlich losging. Circa eine Stunde vor Abflug, gab mich Herrchen bei so Flughafenmenschen ab. Die beiden musste ich erstmal erschnüffeln: „OK, passt, die sind in Ordnung.“ Also hüpfte ich wieder in meine Box und die zwei Männer hoben mich vorsichtig auf einen Wagen. Damit fuhr ich dann durch die Gegend und über das Rollfeld. Ganz schön cool, so eine VIP-Behandlung. Eigener Shuttleservice, keine Warteschlange usw..

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Im Gepäckraum des Flugzeuges brachten mich die Männer an den wärmsten Ort und passten auf, dass meine Box sicher stand. Nach einer Weile wurde es sehr laut und mich drückte es voll zur Seite. „Jetzt fliegen wir“, dachte ich mir, denn davon redete Frauchen vor der Reise. „Das dauert wohl etwas“, also kuschelte ich mich in mein weiches Lieblingskissen und schlief ein.

Plötzlich dröhnte es sehr laut. „Was ist das? Vielleicht das Fahrwerk von dem Herrchen mir erzählt hat?“ Und tatsächlich, der Flieger landete und ich war ganz aufgeregt: „Sehe ich endlich mein Herrchen wieder?“ Aber ich sah ihn nirgends. Fremde Menschen verluden mich und brachten mich wieder zu einem anderen Flugzeug. Dies war nur der Zwischenstopp in Island. Zum Glück ging das Verladen ziemlich schnell. Jetzt weiß ich wenigstens woher der Begriff schweinekalt kommt. „Ja, ich friere bei meinen paar Bauchhärchen! Naja, Herrchen und Frauchen sehe ich wohl erst später.“ Donnernd und dröhnend hoben wir wieder ab, das kannte ich nun schon. Also legte ich mich wieder eine Runde auf mein Fell und schnaubte: „Das dauert bestimmt wieder.“

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„Was war das?“ schreckte ich aus meinem Schlaf auf. Komische Bewegungen begannen, plötzlich sank ich in meiner Box nach unten. „Was ist da nur los?“ dachte ich mir in diesem Moment, „sind das etwa Turbulenzen? Ich hoffe nicht, mein Magen ist ziemlich voll, denn die Fluggesellschaft hat mir ziemlich viel zum Essen gegeben. Herrchen sagte eigentlich ich darf nichts essen, aber wer kann bei Rind mit Lachs in Reis schon widerstehen?!“ Es dröhnte wieder, „Ah, wir landen. Wird auch langsam Zeit, ich müsste nämlich mal. Oh, wie ich mich freue. Bald sehe ich Herrchen und Frauchen wieder.“

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Da kamen auch schon die Männer, die mich ausluden. „Hilfe, nein“ schrie ich und schlug einen Purzelbaum in meiner Box. Die Männer ließen mich fallen. Mein Käfig drehte sich einmal um mich herum. „Oh ist mir flau im Magen.“ Ich kann nicht an mir halten und musste mich in meine Box erleichtern. Mir ging es gar nicht gut. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass sie meine Sachen, die auf dem Boden verstreut lagen, wieder einsammelten. Eine meiner Transportboxrollen lag noch dort und entfernte sich immer weiter von mir. Ich wimmerte vor mich hin: „Ich habe solche Angst! Was macht ihr nur mit mir? Wo ist meine Familie?“ Ich starrte vor mich hin und nahm wie in Trance wahr, dass sie mich auf einem Wagen fuhren und in einer total lauten, menschenüberfluteten Halle abstellten. Der fremde Mann, der mich schob, verschwand einfach und überließ mich meinem Schicksal. „Herrchen, wo bist du? Ich bin so allein“, winselte ich. Da kam jemand ganz schnell auf den Käfig zu, schaute kurz zu mir und riss die Kabelbinder auf, die meine Tür sicherten. „Hallo, wer ist da?“, verstohlen schaute ich durch die Gittertür: „Herrchen? HERRCHEN! Er kommt und rettet mich. Frauchen sehe ich auch in 20 Metern Entfernung.“ Auf einmal stand ich neben Herrchen und orientierte mich kurz. „Das tut mir so leid, dass ich mein Lieblingskissen versaut habe“, zitterte ich. Da hatte ich den Trinknapf schon vor meiner Nase und schlürfte kräftig Wasser. Frauchen war stinksauer, weil die mich gefüttert hatten. Ich konnte es verstehen: Mir war deswegen auch furchtbar übel. Aber sie streichelte mich so lieb und Herrchen reinigte mich mit feuchten Tüchern. „Was stinkt hier eigentlich so?“ – „Oh, ich glaube das bin ich.“ Frauchen reinigte grob meine geliebte Box, oh wie die müffelte. „Ob die je wieder nach mir riechen wird?“ Leider musste ich nochmal hinein, damit wir durch den Zoll und danach ins Hotel konnten. Endlich kamen wir im Hotel an. Ich wollte mir gerade das Zimmer anschauen, da schnappte mich Herrchen und hob mich in die Luft. „Hey, nicht schon wieder fliegen“ dachte ich mir und landete in einer großen weißen Wanne. „Oh nein, wie ich duschen hasse! Aber mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Ich kann mich nämlich nicht mal selber riechen.“ Nach der Dusche und dem Trockenrubbeln, das mag ich übrigens unheimlich gern, schaute ich in den Spiegel: „Wie schön ich wieder aussehe und wie gut ich rieche!“ Schnell an Herrchen angekuschelt, bevor Frauchen mir den Platz wegnehmen konnte: „Das habe ich mir verdient, nach diesem hundselenden Tag.“ Nur mein Kissen vermisste ich etwas, denn das entsorgte Frauchen direkt am Flughafen. Schon döste ich in Herrchens Schoß ein.

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Durch einen Laut wurde ich wach: „Ist das meine Box?“ Ich stand auf und schnupperte daran. Roch eigentlich wieder ganz gut. Frauchen schaute mich an und sagte, ich solle doch mal hinein schauen. Langsam schob ich meinen Kopf hinein. „Wow, mein Lieblingskissen!“ Überglücklich legte ich mich hin und kuschelte mich auf mein Kuschelkissen. Es roch sogar ganz leicht nach mir, obwohl es etwas kleiner war, als das andere. „Wie ich mein Frauchen liebe, da hat sie wohl ein zweites gehabt und mir nie verraten.“ Glücklich lag ich bei meiner Familie und schnaubte zufrieden: „Jetzt ist alles wieder gut. Kanada, ich komme! Heute nicht mehr, aber spätestens morgäähhhn.“

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Wie ich vom Kettenhund zum Weltenbummler wurde, das erfährst du in dieser Geschichte (Jago’s Geschichte) .

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